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Gartenphilosophie



Der heilende Garten

Eigentlich kann jeder Garten ein heilender Ort sein. Gärten sind ein Mikrokosmos aller natürlichen Prozesse. Im Garten kann man lernen, den Rhythmen der Natur zu folgen und sich mit dieser natürlichen Harmonie zu verbinden.

Der heilende Garten

Der heilende Garten

Die Jahreszeiten sind verlässliche Führer, die uns lehren, bewusster zu leben. Durch diese Verbundenheit mit der Natur kann man Ausgeglichenheit und auch neue Perspektiven gewinnen.Wenn das Leben von Terminen und Forderungen anderer beherrscht wird, wenn die Stressfaktoren, denen wir ausgesetzt sind, unseren grundlegendsten Bedürfnissen Gewalt antun, kann der Garten die Möglichkeit bieten, sich einen eigenen Lebensraum, ein eigenes Stückchen Paradies zu schaffen. Gärten erinnern uns an unsere Wurzeln, stellen unsere Sinne wieder her, beruhigen unsere Seelen, flössen uns einen Sinn für Freude ein. Darin liegt das Geheimnis ihrer Kraft zum Heilen.

The Healing Garden

In Amerika hat man die Erkenntnis, dass ein persönliches Stückchen Grün therapeutische Wirkungen haben kann, nicht nur genauer erforscht, sondern auch gleich mit einem Titel versehen: The Healing Garden, das heißt der Garten oder Gärtnern als Therapie. In einer Studie in Texas konnte man aufzeigen, dass Patienten, wenn sie aus einem Spitalsfenster auf Bäume oder Grünes blicken können, weniger Schmerzmittel nach Operationen brauchen, als jene, die nur auf Mauern blicken können. Messungen von Blutdruck und Muskel-Spannungen zeigen, dass gestresste Menschen sich schneller erholen, wenn sie sich in einem grünen Ambiente aufhalten.Nancy Chambers, Ärztin des Medical Center in Manhattan meint, dass es zwei Methoden der „Garten-Therapie“ gibt, den Heilungsprozess zu fördern: “Es sind die zwei Methoden“, erklärt sie, “eine mit dem passiven Vorteil, in einem Garten zu sein und eine mehr aktive Methode, die die Gartenarbeit selbst einschließt“. Sie erarbeitete ein Gartenbau-Therapie-Programm im Rahmen der Rehabilitationsmedizin, indem sie ein 560m² großes Gewächshaus und den anschließenden Garten für ihre Rollstuhlpatienten adaptierte. “Leute sind wiederhergestellt, wenn sie nur im Garten sein können. Ist es der Ort, die Sonne, der Sauerstoff? Die Grundaussage ist: Du bist immer erfolgreich. Wenn du einen Samen säest, auch wenn du keine Arme hast, er wird wachsen“. Die Idee der Hochbeete, bei denen körperlich Behinderte leichter arbeiten können, ist auch hierzulande schon populär geworden. Wenn solche Beete mit Duftpflanzen oder Pflanzen mit besonderen Blattstrukturen bepflanzt werden, kann man damit einen heilsamen Blindengarten schaffen. Ein letzter Aspekt der Garten-Therapie sind Erfahrungen mit Alzheimer-Patienten. In British Columbia zeigte eine Studie, dass die Patienten nicht nur fähig waren, ihre Pflanzen zu pflegen, sondern dass diese Tätigkeit ihre Erinnerung anregte. Auch psychische Verhaltens-Probleme verbesserten sich und gleiche Erfahrungen konnten auch beim Einsatz der Garten-Therapie bei geistig Behinderten und Drogenabhängigen gemacht werden. Amerikanische Psychologen sehen überhaupt ein großes Bild - das was in den 90er Jahren die Sport/ Fitness/ Wellness -Bewegung ist, wird zu Beginn des nächsten Jahrtausends die Gartenkultur/ Hobbygärtnerbewegung sein.

Refugium Garten

Eigentlich sollten alle Gärten die Aufgabe erfüllen, Refugien und Zufluchtsstätten zu sein, Orte der Erholung und des Friedens. Was können wir aber noch tun, um aus unserem Garten ein Stückchen Paradies zu schaffen, einen heilenden Raum? Greifen wir auf die alte Tradition der Klostergärten zurück. Der „Hortulus sanitatis“, das Gärtchen der Gesundheit war nicht nur ein Garten mit Würzkräutern und Heilpflanzen, sondern ein Raum, in dem die Mönche und Nonnen durch die würzigen Düfte, die schönen Farben, eventuell Plätschern von Wasser und Rauschen von Blättern angeregt, meditierten und lustwandelten. Kräuter im Garten zu integrieren, ist ja mittlerweile recht populär geworden. Ein heilender Garten ist aber mehr, als die Möglichkeit, Gewürzkräuter und Heilpflanzen ernten zu können. Damit aus dem Garten ein Heilgarten wird, sollte man ein kleines Gesamtkunstwerk schaffen - einen Garten, der alle unsere fünf Sinne anregt. Denn es sind unsere Sinne, die uns mit der Natur verbinden und durch wir den Garten als einen heilenden Ort erfahren können.

Den Garten riechen 

Duft liefern nicht nur Kräuter. Aromatherapie im Sinne eines Duftgarten kann man mit vielen Pflanzen bewirken und dies das ganze Jahr. Gestalten Sie regelrechte Dufträume in Ihrem Garten. Eine Idee wäre, eine Dufthecke anzulegen. Berücksichtigen Sie bei der Planung auch die Dimension der Zeit und machen Sie eine Jahreszeiten-Duftmauer: beginnend mit chinesischer Schneeblüte (Chimonanthus praecox), japanischer Zaubernuss (Hamamelis mollis), Winter-Duftschneeball (Viburnum farreri ) über Seidelbast (Daphne mezereum) und anderen Frühlingsduftern wie Federbuschstrauch (Fothergilla major) ,duftende Kirschen (z.B. Prunus serrulata Amanogawa) duftende Apfelbäumen (Malus Charlotte) zu Flieder und Pfeifensträuchern (Philadelphus-Arten) , im Sommer Schmetterlingssträuchern (Buddleja davidii/), Gewürzstrauch (Calycanthus floridus) und Kamm-Minze (Elsholtzia stauntonii) bis zur virginischen Zaubernuß (Hamamelis virginiana) im Spätherbst haben Sie dann das ganze Jahr duftende Gartenbereiche.Machen Sie sich auf die Suche nach duftenden Sorten, wenn Sie Schneeglöckchen, Krokus oder Tulpen pflanzen. Der „Prinz von Österreich“ ist eine herrlich rote Tulpe mit wundervollem Duft, die es in Österreich leider nicht mehr zu kaufen gibt. Bringen wir doch diesen Prinzen wieder in unsere Gärten. Nachtviolen (Hesperis matronalis) machen berauschend duftende Spätfrühlingsnächte. Und wenn Sie Rosen pflanzen, achten Sie auf den Duft, denn viele der modernen Züchtungen haben ihn verloren. Ganz im Sinne der Gartentherapie sollten Sie Rosen für so romantische Ideen wie Duftlauben oder Rosenbögen nutzen.

Den Garten „schmecken“

Geschmack liefern uns natürlich unsere Gewürzkräuter. Vereinen Sie Duft und Geschmack, indem Sie ein eigenes Kräutergärtchen, einen „Hortulus sanitatis“ anlegen. Ein geschmacklich sinnliches Erlebnis ist es aber auch, in sonnenwarme Paradeiser aus dem eigenen Garten oder knackig-frische Äpfel zu beißen. Suchen Sie daher nach alten Gemüsesorten, die noch Eigengeschmack haben .Dasselbe gilt für Beeren und Obst. Der Zigeunerapfel erfreut uns nicht nur mit einem angenehm säuerlichen Geschmack, sondern auch mit einer herrlich roten Farbe und die Kanada-Reinette erfüllt mit ihrem Duft den Raum, wenn man sie auf einem Kasten, wie früher üblich, nachreifen lässt.

Den Garten sehen

Das Sehen wird durch bewusste Farbgestaltung im Garten angeregt. Ist es nicht eigenartig, wie wichtig uns die richtige Farbe bei der Kleidung , aber auch bei Vorhang oder Teppich ist? Im Garten wird der Effekt, den diese „Farbtherapie“ mit den richtigen Pflanzen ausüben kann, viel zu sehr unterschätzt. Englische Gärtnerinnen wie Gertrude Jekyll haben das früh erkannt und im berühmten Garten der Vita Sackville- West von Sissinghurst Castle kann man diese Wirkung in. Vollendung bewundern. Gestalten Sie doch auch solche Farbbeete.

Rot ist eine vitalisierende Farbe, die den Herzschlag beschleunigen und die Adrenalinausschüttung anregen kann. Im kräftigen Sonnenlicht kann Rot eine sehr fröhliche Farbe sein. Goldmelisse (Monarda didyma) liefert Farbe und Basis für einen Kräutersirup. Gemeinsam mit rotlaubigem Basilikum oder Fenchel können starke Akzente im Garten geschaffen werden.

Rosa ist eine sanftmütige, harmonische Farbe, die beruhigend wirkt und ihre Wirkung vom frühen Morgenlicht (nicht zufällig gibt es eine Rose namens „New Dawn“) bis zur Abenddämmerung hinein bewahrt. Sie sollten aber vorsichtig sein beim Kauf, denn gerade moderne Rosenhybriden sind oft unangenehm grell pink.

Gelb hat eine stimmungsaufhellende Wirkung und soll zudem die Intelligenz anregen. Verstärken Sie die Wirkung eines solchen Beetes, indem Sie gelbblühende Pflanzen wie Sonnenbraut (Helenium- Arten) oder Sonnenblumen (Helianthus atro-rubens ist ausdauernd und duftet nach Schokolade)  mit gelblaubigen wie Origanum vulgare Aureum oder Salvia officinalis Icterina kombinieren.

Blau beruhigt den Geist und hilft vielleicht beim Träumen, weil wir es mit dem Himmel assoziieren. Kombinieren Sie blaublühende Pflanzen wie Storchenschnäbel (Geranium-Arten gibt es in den herrlichsten Blautönen) mit blaulaubigen Pflanzen wie Ruta graveolens ‚Jackmans Blue’ oder blausilbrigen wie verschiedene Salbei-Arten.

Der weiße Garten

Vita Sackville-Wests Erfolg  mit ihrem weißen Garten in Sissinghurst sollte Sie anregen, auch ein solches Farbbeet anzulegen. Vor allem Menschen, die den ganzen Tag arbeiten und den Garten am Abend zum Entpannen brauchen, werden dies schätzen.  Weiß beginnt in der Nacht fast zu leuchten, und entwickelt, wenn man es mit  silberlaubigen Pflanzen kombiniert, im Dämmerlicht und auch bei Mondschein eine fast ätherische Qualität.

Das Silbergärtchen

Falls Sie ein Heilmittel gegen den grauen Ehealltag suchen, machen Sie doch ein Silbergärtchen. Angeblich sind englische Männer nicht so romantisch, also griffen englische Gärtnerinnen zu pflanzlicher Hilfe: Ein Spaziergang bei Mondenschein, der silbrig laubige Pflanzen aufleuchten lässt, und beim Anstreifen die Nacht mit aromatischen Düften erfüllt (z. B. Lavendel-, Artemisien- und Santolinenarten), das muss doch das härteste Männerherz brechen!

Grüne Natur

Na ja, und grün ist die Farbe der Natur schlechthin. Wie man in TV-Serien wie  „Emergency Room“ sehen kann, operiert man heute in Grün aufgrund seiner harmonisierenden Wirkung. Ob Sie nun einen hohen oder niedrigen Blutdruck haben, ein grüner Garten wirkt immer ausgleichend.

Dem Garten zuhören

Dem Garten zuhören,  weit weg vom Alltagslärm, ist ein weiterer Teil der Gartentherapie. Der Spruch „Zittern wie Espenlaub“ war die Ausgangsbasis dafür, dass der englische Arzt Edward Bach diese Pflanze als Heilmittel für seine Therapie aufnahm. Lassen auch Sie Espen in Ihrem Garten rascheln und fühlen Sie Zuversicht in sich selber wachsen. Das Summen der Bienen und das Zwitschern der Vögel können Sie fördern, indem Sie Pflanzen setzen, die diese anlocken. Das Plätschern von Wasser ist einfach zu erzeugen - ob Springbrunnen oder Wasserfälle oder murmelnde Mühlsteine, all das wird in Gartengeschäften angeboten. Und die derzeitige Mode, Feng Shui, die chinesische Variante der Geomantie, umzusetzen, hat dazu geführt, dass Klangspiele allerorten angeboten werden. Gibt es was Heilsameres, als in einer Duftlaube zu sitzen und dem Klang eines Windspiels zu lauschen, das beim leisesten Windhauch harmonische Töne liefert.

Den Garten spüren und begreifen lernen

Den Garten spüren ist der letzte Teil unserer Gartentherapie. Bei manchen Pflanzen macht es einfach Freude, sie anzufassen. Mein besonderer Liebling ist die pfefferminzduftende Pelargonium tomentosum. Es ist keine Übertreibung wenn englische Gartenpoeten ihre Blätter als „thick like a fairy blanket“, also weich wie ein Feenbettchen bezeichnen. Andere Pflanzen fühlen sich klebrig an ,weil sie Wachse produzieren, um sich gegen Sonnenhitze zu schützen. Die Knospen der Balsampappel (Populus balsamifera) oder die Blätter des Ziströschens (Cistus ladanifer) bleiben beim Pflücken nicht nur kleben, sondern duften auch wundervoll. Und die interessanten Rinden mancher Bäume wie einiger Birken-Arten fordern direkt zum Berühren auf.Aber nicht nur Pflanzen sollen im Garten zum Spüren anregen. In einen Garten gehören alle Bereiche der Natur. Steine können sich herrlich anfühlen. “Lithotherapie“ durch Anlehnen an einen kühlenden Granitblock oder sich auf eine wärmende Basaltkugel setzen, ist das Finale unserer Gartentherapievorschläge.