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Die Bauchspeicheldrüse, ein Organ im Schattendasein
Mariendistel

Mariendistel

Dass man auf seine Leber achten sollte, ist wohl jedem Menschen mit Gesundheitsbewusstsein klar. Doch das Organ, das mit der Leber und Galle eine Trias, also eine Funktionseinheit bildet, die Bauchspeicheldrüse, ist viel zu wenig im  Bewusstsein der Menschen.

Grundsätzlich vorweg:
Bauchspeicheldrüsenerkrankungen gehören in die Hände von Ärzten. Doch ein bisschen mehr an Aufklärung, was wir zum Erhalt der Gesundheit und Funktionsfähigkeit unserer Bauchspeicheldrüse tun können, kann nicht schaden.

Pankreas, die Bauchspeicheldrüse

In der medizinischen Fachsprache wird die Bauchspeicheldrüse Pankreas (griech. pan, alles, kreas, Fleisch)  genannt. Sie ist ca. 15 cm lang, wiegt ungefähr 100 g und liegt im linken Oberbauch zwischen Magen, Milz, Leber und ist vom Zwölffingerdarm umgeben. Sie ist eine der größten Drüsen des Körpers. Sie erfüllt zwei unterschiedliche Funktionen, die von großer Bedeutung für den Organismus sind:  
  • Die Lieferung von Enzymen für die Verdauung. Enzyme sind chemische Stoffe, die dem Körper  helfen, die Nährstoffe, die wir mit den Nahrungsmitteln aufnehmen, in körpereigene Substanzen umzuwandeln. Dies nennt man die exkretorische Funktion, das heißt, eine Produktion von Stoffen, die nach außen, sprich in den Darm gelangen.
  • Die Lieferung von Hormonen, die in bestimmten inselförmig angeordneten Zellhäufchen, den Langerhanschen Inseln, gebildet werden. Diese Hormone sind die den Blutzuckerspiegel regulierenden Insulin und Glukagon. Die Hormone sind in ihrer Wirkung entgegengesetzt: Insulin wirkt blutzuckersenkend, Glukagon blutzuckersteigernd. Durch diese beiden Hormone kann der Blutzuckerspiegel möglichst konstant gehalten werden, so dass der Körper ständig ausreichend mit Energie versorgt wird. Dies nennt man die inkretorische Funktion (direkt in das Blut hinein)
 

Die Bauchsspeicheldrüse, wichtigste Verdauungsdrüse

Magen und Leber haben hinsichtlich der Verdauung nur  vorbereitende Aufgaben, nämlich Eiweiß denaturieren und Fett emulgieren. Die eigentliche Verdauungstätigkeit leistet allein die Bauchspeicheldrüse mit ihren Enzymen. Sie bildet den sogenannten Pankreassaft, bis zu zwei Liter pro Tag. Er enthält große Mengen an stark basischem Bikarbonat, der wichtig für die Regulation unseres Blutmilieus ist, also ob unser Blut mehr sauer oder mehr basisch ist. Die einweiß-, fett- und kohlehydratspaltenden Enzyme werden über den Pankreassaft in den Dünndarm abgegeben und erst dort aktiv, denn sonst würde sich die Bauchspeicheldrüse selber verdauen. Die Enzyme des Pankreas sind die eiweißspaltenden Proteasen Trypsin und Chymotrypsin (von griech. zertrümmern), die fettspaltenden Lipasen, die nur im alkalischen Milieu und in Verbindung mit Gallensäuren wirksam werden (bei einer Fettunverträglichkeit sollte man darum nicht nur an die Galle denken, sondern auch an die Bauchspeicheldrüse) sowie kohlehydratspaltende Amylasen.

Die Trias Leber, Galle und Pankreas

Aktiviert wird die Funktion der Bauchsspeicheldrüse sobald wir etwas essen oder trinken, was bereits im Magen zu einer Hormonausschüttung führt. Durch andere Hormone sowie durch die Stimulation des Nervensystems (Sehen, Riechen, Geschmack etc.) fängt die Bauchspeicheldrüse an, Pankreassaft zu produzieren. Die Zusammenarbeit mit der Leber ist deren Funktion, aus Cholesterin Gallensaft zu bilden, der das Fett emulgiert und so erst die Angriffsfläche für die fettspaltenden Enzyme des Pankreas schafft. Was gemeinhin als „Galle“ bezeichnet wird, ist die Gallenblase, das Speicherorgan für den Gallensaft. Die funktionelle Zusammenarbeit der Organe zeigt sich in der gemeinsamen Öffnung in den Dünndarm hinein. Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse erklären sich daher meist an einem Problem der Zusammenarbeit der Organe.

Wann erkrankt die Bauchspeicheldrüse

Der wichtigste Risikofaktor ist sicher überreichlicher Alkoholgenuss und Zigarettensucht, doch auch falsche Ernährungsgewohnheiten wie zu fettes, schweres und kohlehydratreiches Essen können zu einer Überforderung in der Produktion der nötigen Enzyme führen. Wie bei Lebererkrankungen sind Probleme der Bauchspeicheldrüse lange unbemerkt, da ihre Beschwerden zum sogenannten „Oberbauchsyndrom“, also Druckbeschwerden und permanentes Völlegefühl im Oberbauch führen, die eine vielfältige Ursache haben können. Bei permanenten Beschwerden wie Blähungen, Verstopfung abwechselnd mit  Durchfall, Schmerzen im rechten Oberbauch, vor allem nach Genuss von Kaffee, fetten Speisen und „schwerem“, kohlehydratreichem Essen sollte man auch daran denken, mit dem Arzt über eine mögliche chronische Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) zu reden. Weil die Krankheit schleichend (oft über 10- 20 Jahre) verläuft, dauert es oft lange, bis die Diagnose gestellt ist.


Anders sieht das bei der akuten Pankreatitis aus, die zu den schwerwiegenden Erkrankungen zählt, bei der eine sofortige Einweisung in die Klinik und meist Intensivmedizin notwendig ist. Die Verdauungsenzyme werden dabei nicht als inaktive Vorstufen in den Darm abgegeben, sondern treten massiv in das Bauchspeicheldrüsengewebe über und führen zu einer Selbstverdauung des Organs. Die Erkrankung führt zu plötzlichen starken Schmerzen, die in den Unterbauch und linken Rücken ausstrahlen, begleitet von Erbrechen und Krämpfen bis hin zu schweren Schockzuständen, die sogar bis zum Tod führen können. Also, bei solchen Symptomen am besten sofort ins Krankenhaus.

Was kann man nun vorbeugend tun

Die Vorbeugung ist aus dem Vorausgehenden schon erklärt: ausgewogene Ernährung, Alkohol, Kaffe moderat genießen und Rauchen meiden. Doch auch viele Heilpflanzen helfen, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse in „gutem“ Zustand zu erhalten.

Kräuter für die Leber

Mariendistel (Silybum marianum): Die Flavonoide (gelbe Farbstoffe) und Bitterstoffe in den Mariendistelsamen  bewirken eine Anregung der Leberzellbildung. Ferner stärken sie die Membranen der  Leberzellen, so dass sich die Leberzellen bei ihrer Entgiftungsarbeit nicht selber vergiften. Mariendisteltee kann daher sowohl vorbeugend als auch bei bereits bestehende Leberschäden eingesetzt werden. Besser ist es aber, auf standardisierte Präparate zurückzugreifen, da die Wirkstoffe in der Mariendistel nicht sehr gut wasserlöslich sind. Viele dieser Fertigpräparate sind in Kombination mit der folgenden Pflanze, der Artischocke, erhältlich.

Artischocke (Cynara scolymus): Diese Distel ist vielleicht eher als mediterranes Gemüse bekannt, ihre extrem  bitteren Wirkstoffe aus den Blättern haben aber eine anregende Wirkung auf den Leberstoffwechsel. Das Cynarin hilft, die Entgiftungsarbeit der Leber zu stärken und regeneriert verbrauchte Leberzellen. Man verwendet Artischocke entweder als Tee, Saft oder als fertiges Präparat.


Löwenzahn (Taraxacum officinale): Der Tee aus der Löwenzahnwurzel hat nicht nur eine stark harntreibende Wirkung, sondern auch eine starke Wirkung auf den Leberstoffwechsel und auch auf die Bauchspeicheldrüse. Damit ist er wahrlich antidyskratisch ,also „schlechte Säfte regulierend“. Zusätzlich zu dem Tee (aus der Wurzel) kann man auch den Saft (aus den Blättern) anwenden.

Odermennig (Agrimonia eupatoria): Dieses gelb blühende Rosengewächs ist ein bewährtes Leberfunktionsmittel. Der leicht bitter schmeckende  Tee hilft vor allem bei Leberschwäche mit Durchfallneigung.

Bauchspeicheldrüsentee:
Pfefferminzblätter, Fenchelfrüchte, Melissenblätter, Schafgarbenkraut zu gleichen Teilen und etwas Tausendguldenkraut und Orangenblüten in der Apotheke mischen lassen, den Tee im Aufguss zubereiten, 10 Minuten ziehen lassen und 2 Tassen täglich 3 Wochen lang trinken.
Diese Kräutermischung regt die Tätigkeit der Leber, ihrer Gallenflüssigkeitsproduktion und der Enzymbildung der Bauchspeicheldrüse zart an. Eine Kur mit dieser Teemischung kann daher sehr empfohlen werden.

Wenn bereits eine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz besteht, hilft eine Pflanze aus Madagaskar:
Haronga (Harungana madagascariensis): „Entdeckt“ wurde die Wirkung der Pflanze, als der deutsche Homöopath Wilmar Schwabe staunend beobachtete, wie die Madegassen das Essen von extrem fettreichen Teilen der Schafe ohne Probleme verdauen konnten, indem sie Stückchen der Baumrinde des Strauches kauten. Untersuchungen ergaben, dass die Inhaltsstoffe der Haronga die exokrine Pankreassekretion anregen können, gleichzeitig wird die Sekretion von Magensaft und Gallenflüssigkeit angeregt. Haronga hat auch eine leberstärkende Wirkung und als Angehöriger der Johanniskrautgewächse eine stimmungsaufhellende Wirkung. Haronga gibt es nur in Form von Fertigpräparaten in der Apotheke.


Achtung: Ähnlich wie Johanniskraut macht Haronga lichtempfindlich, also Hut aufsetzen, wenn man in die Sonne geht.

Melonenbaum (Carica papaya): Der Melonenbaum ist in den Tropen beheimatet, die reifen Früchte, die Papayas schmecken delikat. Das arzneilich genutzte Enzym Papain wird allerdings aus dem Milchsaft der unreifen Fruchtschalen gewonnen. Laut Darwin machten Indianer ihr Fleisch mürbe, indem sie es mit Papayablättern umhüllten. In Indien werden bei üppigen Festen Papayafrüchte zur besseren Verdauung gereicht. In der Apotheke gibt es Fertigpräparate, die das Enzym Papain enthalten. Papain ist eiweißspaltend und die Einnahme der Präparate hilft bei funktionellen Verdauungsstörungen mit dem „Oberbauchsyndrom“ und unterstützend bei Bauchspeicheldrüsenschwäche.

Würzige Ratschläge

In der TCM werden Muskat und Ingwer bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen therapeutisch eingesetzt. Solche Behandlungen sollten dem dafür ausgebildeten Arzt überlassen bleiben, angenehm (aber nicht übertrieben) würzen mit Muskat und Ingwer ist sicher eine angenehme Form von Therapie.

Zuletzt ein Frühlingstipp

Brennnesselsaft und Spinat enthalten Sekretin, ein Hormon, das die Abgabe des Pankreassaftes anregt. In den Mengen, die in den Pflanzen enthalten ist, kann es sicher nicht therapeutisch bedeutsam sein, aber im Frühjahr öfter Brennnesselspinat, vielleicht mit dem Gemüsespinat gemischt essen, kann sicher helfen, der Bauchsspeicheldrüse und damit dem Stoffwechsel frischen Schwung zu verleihen.